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Thema: Bedrückende Gedanken

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Autor:  Ursula Peters
erstellt: 17.05.2003

Was ist eigentlich der Tod


Unser gemeinsames Wissen hat Milliarden Bilder in unserem Unterbewusstsein gespeichert. Sie stehen alle im bewegten Zusammenhang. Ich stelle es mir wie das Meer vor, in dem gewaltige Tiefenströmungen den Segler an der Oberfläche ahnungslos lassen, was eigentlich im Ozean unter ihm geschieht. Unsere Sinne gaukeln uns Solidität der Materie vor, wo uns geniale Physiker nichts mehr nennen können als kreatives energetisches Chaos, das sich in immer neuen Konstellationen ordnet. Unsere Sinne gaukeln uns Zeitabläufe vor und wir stehen fassungslos vor der Frage: Was ist, wenn die Zeit aufhört? Sie existiert gar nicht. Wer bin ich dann? Woher komme ich? Wo gehe ich hin? Laufe ich hier als kleines Menschlein auf einer Versuchsstrecke? Wo liegt der Sinn meines Daseins! Wo kann ich ein Stück Heimat finden? Was ist der Schmerz? Was ist der Tod? - Im Bild des Regenbogens ist das Entscheidende der Übergang von einer Farbe zur anderen. Es ist unserer Wahrnehmung unmöglich, diesen Übergang zu erfassen. Wir versagen vor dem Geheimnis der Grenzüberschreitung. Ich möchte das Beispiel wählen, weil "transcendere" ein Schlüsselwort für mich geworden ist: Grenzen überschreiten, jenseits gehen, Übergänge erleben. Es passiert im Alltag, jedem/jeder von uns. In der Liebe nennen es die Franzosen den kleinen Tod. Er vermittelt allen Menschen die Weisheit der Ekstase. Cor dilatatum, das weit gewordene Herz. Der Übergang in einen kleinen Moment von Ewigkeit, in dem Mann und Frau gleich sind, in dem die Zeit aufhört und den man sich nach dem biologischen Auftauchen als ein Ewiges wünscht, ist die biologische Erfahrung der Ekstase. Sie ist eine Erfahrung der Grenzüberschreitung unerhörter Art. Wer vor dieser Erfahrung seine Sehnsucht kultiviert und weite Gefühlsregionen erschlossen hat, kann Zeiten und Räume sich erweitern sehen, eine allumfassende Liebesfähigkeit spüren und die Grenzen aller Trennungen überwinden und im Zustand ekstatischer Erwartung in den Nachthimmel sehen, auf seinen Arm gucken und der Arm und der Körper ist durchsichtig geworden, voller Sterne, ein Teil des Universums.

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Autor:  Marian Bichler
erstellt: 13.05.2003

Was ist eigentlich der Tod


Obwohl ich selbst selten mit dem Tod in Berührung kam, denke ich oft über ihn nach. Der liebste Bruder meiner Mutter starb, als ich vier Jahre alt war, und in unserem Zuhause herrschte danach jahrelange Trauer. Für die Hinterbliebenen ist der Tod immer etwas anderes als für den Sterbenden. Der Verlust eines Menschen ist unerträglich und erinnert uns daran, wie kostbar jede Begegnung ist. Aber gleichzeitig geht das Leben weiter, irgendwann wendet man sich anderen Dingen zu - die Wunde heilt, oberflächlich. Ich glaube, dass der Tod die größte Herausforderung an den Menschen ist, das Leben "ernst" zu nehmen. Mit "ernst" ist nicht die Abwesenheit von Humor gemeint. Im Gegenteil. Mit "ernst" meine ich, der Tod erinnert daran, worum es im Leben geht: Um die Begegnung und Beziehung mit anderen und mit sich selbst. Um Respekt für alles um uns herum einschließlich uns selbst. Um eine tägliche Verbeugung vor dem Geschenk des Lebendigen mit seinen individuellen immer unwiederbringlich einzigartigen Erscheinungsformen. Den Tod stelle ich mir vor als Ablösung meiner körperlichen Existenz aus dieser Welt der Erscheinungsformen. Etwas, das ungeheure Angst macht. Was bin ich, wenn ich nicht mein Körper bin? Bin ich dann überhaupt noch? Das Gefühl dieser Angst kenne ich, und dennoch habe ich die tiefe Überzeugung, dass die Angst nur entsteht, weil wir versuchen, den Tod zu begreifen. Man kann den Tod nicht begreifen. Man muss ihn annehmen, ebenso wie das Leben. Ich stelle mir sterben vor wie die Zustände während einer schweren Krankheit mit hohem Fieber. In solchen Momenten bin ich gar nicht mehr in meinem Körper, ich bin ganz weit weg - ohne zu wissen wo. Sich diesem Abschied hinzugeben, wegzugehen - das ist für mich der Tod. Und ich wünsche mir in solch einem Moment, in dem ich gehen werde, begleitet zu werden von einem liebenden Angehörigen. Auch wenn ich gestorben bin in den Stunden danach. Niemand weiß, wo wir hingehen werden. Aber ich spüre genau, wie wichtig es ist, in dieser letzten Stunde von einem liebevollen Geist begleitet zu
werden.

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Autor:  Katharina Peters
erstellt: 18.06.2003

Zwei Gedichte


Wer hat gesagt die Zeit heilt alle Verletzungen?
Man sollte besser sagen, dass die Zeit alles heilt,
außer den Verletzungen.
Mit der Zeit wird der ersehnte Körper bald nicht mehr sein,
und wenn der ersehnte Körper schon aufgehört hat, für den anderen zu sein,
ist das, was bleibt, eine körperlose Wunde.

von Samura Koichi



Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

von Erich Fried

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